Montag, 09. November 2015
Wir sind gerade in Christchurch

Stadtbesichtigung in Christchurch

Vom Erdbeben gezeichnet

Da Kuga Tours natürlich versucht an alles zu denken, wurde heute extra ein Schweizer Stadtführer engagiert, damit die große Fraktion der Eidgenossen in unserer Reisegruppe sich einmal sprachlich ganz zu Hause fühlt.....nein, nein, Spaß beiseite. Aber der Zufall wollte es so, daß in unseren Buchungsunterlagen für Christchurch ein gewisser "Hampi" als Guide für eine Führung durch die größte Stadt der Südinsel vermerkt war. Wir hielten dies für einen Maori-Namen und erwarteten einen Ureinwohner, der sich sein Geld im Tourismusbetrieb verdient. 

Es stellte sich dann pünktlich ein eindeutig europäisch aussehender Mann mittleren Alters mit den Worten: "Grüezi wohl, ich bin der Hans-Peter" vor. Unsere Verwunderung darüber, daß wir jemand anderen erwartet hätten, konnte er nicht nachvollziehen. Erst als wir bei der Verabschiedung um seine Kontaktdaten baten, stellte sich heraus, daß er tatsächlich der bewußte Hampi war und daß es sich dabei um eine Schweizer Form seines Vornamens handelte. Man lernt eben nie aus!

Hampi brachte uns also zunächst einmal zu einem Aussichtspunkt, von wo aus wir die Gegend betrachten konnten. Es fiel auf, daß die Landschaft ganz und gar nicht so aussieht, wie am anderen Ende der Welt. Eher wie in Schottland zum Beispiel....

Von da aus ging's zum Luft schnappen an den Sumner Strand. Das Aerosol des Pazifiks tat uns allen gut. Nach so vielen Stunden in klimatisierten Hotelzimmern und luftdruckkontrollierten Flugzeugen fühlten wir uns wie in der Sommerfrische. HERRLICH!

Allerdings fielen uns schon auf der Anfahrt zum Strand die vielen zerstörten Häuser auf. Am 22. Februar 2011 um 12:51 Uhr bebte nämlich in Christchurch die Erde und riß 185 Menschen in den Tod. Zurück blieben 5900 Verletzte und viele unbewohnbare Gebäude. Besonders getroffen wurde das Wahrzeichen der Stadt, die Christchurch Cathedral. Sie steht heute hinter einem Bauzaun von Containern gestützt, ein Poster ihrer einstigen Pracht macht deutlich, welche Schäden entstanden sind. Ob diese Kirche jemals wieder aufgebaut wird, ist fraglich.

Nach dem teilweisen Einsturz des Gotteshauses entwarf der japanische Architekt Shigeru Ban unentgeltlich eine Ersatzkirche. Er ist dafür bekannt, in Katastrophengebieten mit provisorischen Gebäuden auszuhelfen. So entstand die Cardboard Cathedral oder auch Papp Kathedrale. Aus günstigen Baustoffen, teilweise tatsächlich aus Pappe, entstand eine Übergangskirche, die von allen Glaubensgemeinschaften genutzt wird.

Im Hintergrund steht eine Ansammlung von weißen Stühlen vom Babysitz bis zum Rollstuhl, die als Mahnmal jeder einen der Toten repräsentieren sollen.

In der ganzen Stadt herrscht rege Bautätigkeit. Die Innenstadt wird komplett neu erschaffen. Überall leben die Menschen mit Provisorien und sind dabei sehr kreativ. So sind zahllose Geschäfte, Banken, Gastwirtschaften in Containern untergekommen und haben dadurch eine Übergangsbleibe gefunden.

Nach so viel nachdenklich stimmenden Szenen wollten wir Seele und Körper noch etwas Gutes tun und sind durch den herrlichen Botanischen Garten von Christchurch geschlendert. Manche der uralten riesigen Bäume sind schon im 19. Jahrhundert gepflanzt worden. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Historische Häuser mit kleinen Restaurants und die Stechkahnfahrer auf dem Avon River lassen den Ort idyllisch erscheinen.

Besonders bemerkenswert war für uns die Tatsache, daß hier im November die Kastanien blühen. Kein Wunder! Wir sind eben doch am anderen Ende der Welt. So konnte die Reisegruppe den langsam in den Sommer übergehenden Frühling so richtig genießen.

Am Spätnachmittag war es dann aber vorbei mit dem süßen Leben. Es wurde zur ersten Fahrerbesprechung gerufen und zur Einweisung in die Navigationsgeräte. Morgen in der Früh freuen wir uns auf unsere rollenden Ferienhäuschen und werden dann gleich die erste Etappe im Linksverkehr in Angriff nehmen.


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