Donnerstag, 24. Mai  2018
Wir sind gerade in Susdal

 

Wein, Weib und Gesang

 

 

Gesang und Wein traten heute schon relativ früh in unseren Tagesablauf, der Rest kam später. Bevor wir uns den weltlichen Dingen hingaben, widmete sich die Gruppe zunächst der klerikalen Bildung. Und wo könnte man dies besser tun als in einer der ältesten Städte Russlands? In der 10.000 Einwohner-Gemeinde Suzdal stehen 33 Kirchen und fünf Klöster.

 

 

Ein ganz besonders schönes Exemplar ist die Muttergottes-Geburts-Kathedrale mit ihren fünf blauen Kuppeln. Sie gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und wirkt wie entsprungen aus einem Märchen von Tausendundeiner Nacht.

 

 

Unsere Stadtführerin Maria erklärte das Phänomen der Doppelkirchen in Suzdal. Es gibt jeweils eine Sommerkirche und eine Winterkirche. Die Sommerkirche ist die größere, ausgeschmücktere und prächtigere von beiden. Die Winterkirche ließ sich leichter heizen.

 

 

Auch im Freilichtmuseum, das wir besuchten, steht ein solches Kirchenpaar aus dem 18. Jahrhundert aus Holz gefertigt. Die Winterkirche hat ein steinernes Fundament und ausgestopfte Fugen zwischen den Balken.

 

 

Wohin man schaut, der Blick fällt immer auf eine der Suzdaler Kirchen.

Ein frommes Volk muß hier gesiedelt haben.

 

 

Die Stadt gehört zum sogenannten Goldenen Ring und damit zu den geschichtsträchtigsten russischen Städten mit besonders schönen Bauwerken, meist Klöstern. So sollte auch auf unserer Besichtigungsrunde ein Kloster angeschaut werden.

 

 

Das Erlöser-Jewfimi-Kloster besteht schon seit 1352 und empfing uns mit zwei Highlights des Tages.

 

 

Jeden Mittag um 12 Uhr steigt ein Glöckner auf den Glockenturm und spielt von Hand eine spezielle Melodie, indem er die vielen verschieden großen Glocken in Schwung bringt. Bei der anschließenden Besichtigung der Klosterkathedrale gelang es unserer Stadtführerin, einen vierstimmigen Mönchs-Chor zu einer Gesangsprobe zu animieren. Die Stimmen gingen uns allen unter die Haut.

 

 

Nun war auch der Zeitpunkt gekommen, zu dem es eine Verkostung von dem Stoff geben sollte, dem die Mönche früher sicherlich zur Zerstreuung zugesprochen hatten. Gemeint ist der Honigwein, der heutzutage nur noch in Suzdal gekeltert wird. Wieder wurden wir bereits erwartet. Wie gut, daß wir stets unseren Dima dabei haben, denn die vielen Informationen, die das russische Mädel zum Besten gab, wären sonst in den Tiefen des Weinbechers untergegangen.

 

   

 

So aber übersetzte Dima und ließ uns wissen, wonach die einzelnen Honigweinsorten schmecken sollten.

 

 

Die Varianten reichten von Minze über Zimt, Nelken, Ingwer, Chili, Malz und Meerrettich. Je länger die Verkostung dauerte, desto vorsichtiger wurden wir und ließen lieber einen Bodensatz im Becher zurück, um noch einen klaren Kopf zu bewahren. Apropos Kopf! Irgendwie schaffte Dima es sogar, daß der Zar persönlich seinen Kopf bei uns herein streckte.......

 

 

Am Nachmittag brachte uns der Bus zum Campingplatz zurück, um noch einmal Kraft zu tanken vor dem abendlichen Höhepunkt des Tages. Wenn es überhaupt noch eine Steigerung geben konnte. 

Bei einem Gruppenessen ließen wir uns die Leckereien vom Buffet schmecken, bevor eine Folkloregruppe russische Volkslieder schmetterte. Mit ausdrucksstarken Stimmen wurde unsere Reisegruppe bestens unterhalten.

 

 

Zu dem Zeitpunkt wußten wir aber noch nicht, daß wir sehr bald aktiver Teil dieser Veranstaltung werden würden. Jürgen traf es als einen der Ersten. Wahrscheinlich hatten seine stattliche Größe und sein leuchtend rotes T-Shirt ihn als Ensemble-Mitglied geradezu prädestiniert.

 

 

Uwe und Beate wurden zu einem traditionellen Tanzspiel aufgefordert, bei dem die Jugend in zarten Annäherungsversuchen herausfindet, wer zu wem paßt. Die beiden haben nach vielen Ehejahren heute Abend den Beweis geliefert bekommen, daß sie harmonieren. Wozu so eine Reise alles gut ist, oder?

 

 

Letztlich wurden so ziemlich alle irgendwie in die Geheimnisse der russischen Volksseele eingeweiht und verbrachten einen wunderbaren Abend.

 

 

Immerhin sind wir bereits über 2600 Kilometer von der Heimat entfernt. Da kann man sich schon etwas mit den russischen Gepflogenheiten anfreunden.

Mitten im Ort steht ein Hinweisschild auf die Städtepartnerschaft zwischen Suzdal und Rothenburg ob der Tauber.

Sind wir wirklich schon so weit gen Osten gekommen?


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