Samstag, 11. Mai  2019

Wir sind gerade in Banff

Die Rocky Mountains zum Greifen nah

Als beim Eintreffen auf dem Campingplatz Hans-Hermann die Tour-Teilnehmer jeweils fragte, wie ihr Tag verlaufen sei, sah er in strahlende Gesichter. Alle waren voller Eindrücke und absolut begeistert.

Vor der eigentlichen Fahretappe hatten wir uns zu einer Führung im Eisenbahnmuseum von Revelstoke getroffen, denn die Geschichte Kanadas im Allgemeinen und die heutige Strecke durch die Berge im Besonderen sind eng verknüpft mit der Canadian Pacific Railway. So konnten wir die riesige Dampflok im Original bestaunen, die uns im Laufe des Tages mehrfach unterwegs begegnen würde - stets vor einen endlos erscheinenden Güterzug gespannt.

Dann ging‘ aber endlich los - wir genossen die  Fahrt durch den Glacier Nationalpark bei immer noch traumhaftem Wetter.

Fast unmerklich gewannen wir an Höhe, bis wir schließlich auf 1330 m Höhe am Rogers Pass ankamen.

Hier in Kanada ist alles groß: Die Täler sind weit, die Straßen sind breit und die Passhöhen sind die reinsten Plateaus.

Der Glacier Nationalpark verdankt seinen Namen den unzähligen Gletschern, die das ganze Jahr über Schnee tragen. Statistisch regnet oder schneit es hier oben an drei von fünf Tagen. Was hatten wir Glück: Weit und breit keine Regenwolken, die dieses Panorama getrübt hätten.

Bei unserer Fahrt gen Osten ins Landesinnere, die Einheimischen nennen es „backcountry“, erreichten wir bald den Yoho Nationalpark und damit eine andere Zeitzone. Wir mußten die Uhren eine Stunde vorstellen und liegen jetzt nur noch 8 Stunden hinter der mitteleuropäischen Zeit. Obwohl wir dadurch quasi eine Stunde „verloren“ hatten, trafen wir uns nach und nach zu einer Verschnaufpause an der Natural Bridge, einer Felsformation am Kicking Horse River. Ein „austretenden Pferd“ sahen wir zwar nicht aber die Stelle, an der ein ehemaliger Wasserfall durch Erosion eingebrochen war und die Landschaft auf diese Weise bizarr formte.

Ein paar Kilometer weiter ein weiteres Highlight dieser Etappe - der Emerald Lake. Auch hier bot sich in lauschiger Umgebung eine Kaffeepause oder zumindest ein Fotostopp an.

Der See war teilweise noch gefroren, was ihm nichts von seiner Schönheit nahm.

Einige Glückliche erspähten hier sogar ihre ersten Elche. Muß ganz schön frisch gewesen sein, dieses Fußbad im Eiswasser!



Apropos Eiswasser! Geri und Susann wären froh gewesen, wenn ihr Kühl-Gefrierschrank etwas Eiswasser produziert hätte. Stattdessen hatte er unverhofft seinen Geist aufgegeben und nun war guter Rat teuer. Von unterwegs hatten die beiden mit der Reiseleitung kommuniziert und per SMS Ratschläge für einen Reset bekommen. Obwohl sie alle Schritte genau befolgt hatten, sprach ein zur Hilfe geeilter Kanadier ein wahres Wort gelassen aus: „The fridge is dead!“

Im Ziel kontaktierte Kathrin die Notfall-Hotline der Vermietfirma und hatte Glück im Unglück - am anderen Ende saß ein Kühlschrank-Techniker mit viel Geduld. Er verkündete, daß es weit und breit im Umkreis von hunderten von Kilometern keinen Kundenservice gäbe und wir deshalb die Sache selbst in die Hand nehmen müßten.....ganz so wie man es sich für ein großes Land wie Kanada vorstellt....mit Pioniergeist.

Schritt für Schritt wurde die Technik am Telefon besprochen, Strom abgeklemmt, eine Thermosicherung aus dem Kreislauf genommen, Kabel abisoliert und wieder verbunden.

 Wenn es nicht mehr weiterging, wurden Fotos der Anlage per Mail an den Telefon-Partner verschickt, um sicher zu gehen, daß auch das richtige Kabel gekappt wird. Irgendwann war die Operation am offenen Herzen gelungen, der Kühlschrank reanimiert und bereit, seine Aufgabe nun wieder wie gewünscht zu erfüllen.

Wie gut, wenn man eine Ärztin als Reiseleitung dabei hat!


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