Freitag, 13.05.2011

 

Freitag, der 13. - und doch ein Happy End

Wer jetzt vermutet, wir hätten schon wieder eine ausgefallende Heizung oder eine nicht einfahrende SAT-Schüssel, dem sei versichert: Alles im grünen Bereich!
Wir hatten uns bloß in den Kopf gesetzt, an unserem letzten Tag in Titisee noch eine Letterbox zu heben und das wäre fast schief gegangen.

Eifrige Leser unserer Homepage wissen es bereits: Wir sind große Fans von www.letterboxing-germany.de . Dies ist eine Gemeinschaft von Menschen, die sich die kindliche Freude an Schnitzeljagden erhalten haben und an den unmöglichsten Stellen mitten im Wald Plastikboxen mit Logbuch und Stempel verstecken, die Wegbeschreibung zu diesem „Schatz" mit möglichst vielen Rätseln verschlüsseln, das Ganze ins Internet stellen und sich dann darüber freuen, wenn wildfremde Leute ihren Hinweisen folgen, die Box finden und einen Gruß mit Stempelabdruck im Logbuch hinterlassen.

Die Finder wiederum haben ein eigenes Logbuch und machen nichts lieber, als sich von den verrückten Hinweisen kreuz und quer durch ein unbekanntes Gebiet jagen zu lassen, um im günstigsten Fall das Objekt der Begierde in einer Felsspalte oder unter Baumwurzeln zu entdecken, sich im Logbuch zu verewigen und einen Abdruck des versteckten Stempels ins eigene Büchlein zu befördern, um ihn dann zu hüten wie eine blaue Mauritius.

Da wir in der zurückliegenden Woche schon mehrmals um den See gewandert waren, wollten wir uns ein Teilstück der Schnitzeljagd sparen, um die Suche etwas abzukürzen. Wie meistens in solchen Fällen ging das gründlich schief. Wir hatten uns für schlau gehalten und dachten, auf die Angabe einer Stellplatznummer des Campingplatzes am Ufer verzichten zu können und die Aufgabe trotzdem zu lösen. So wanderten wir wieder durch schönste Schwarzwaldtannen und sammelten Jahreszahlen und Höhenangaben und was man sonst so später zum Errechnen der Peilrichtung brauchte.

Im Zielgebiet angekommen nahm Hans-Hermann eine der vielen Kompaßpeilungen vor und zeigte auf eine große Tanne am Wegesrand, die als Referenzpunkt dienen sollte. Von dort aus sollte nun der Schatz angepeilt werden. Die Tatsache, daß es sich um die richtige Tanne handelte, wurde durch eine weitere Peilung bestätigt, denn in einer bestimmten Gradzahl sollte ein Felsen zu sehen sein und der war auch zu sehen (....später stellte sich heraus - Ihr ahnt es schon - daß in diesem Waldgebiet unzählige Felsen herumlagen und wir natürlich doch den falschen Baum erwischt hatten.)
Von dieser vermeintlich richtigen Tanne aus sollte der Kompaß in einer errechneten Richtung den Weg zum Versteck anzeigen. Pech war nur, daß wir die Gradzahl nicht wirklich errechnen, sondern nur schätzen konnten, da uns von drei Zahlen ja die eine fehlte. So gruben wir kurzerhand den halben Wald um und hofften auf ein Wunder. Eine grundlegende Charaktereigenschaft von Wundern ist, daß sie sich meistens rar machen und so war es auch in unserem Fall.

Was nun? Aufgeben? Niemals!
Es gab zwei Alternativen: 1.Wir gehen nun doch noch einmal kilometerweit um den Titisee bis ganz zum Campingplatz, um die fehlende Zahl herauszufinden - diese Idee haben wir verworfen, da wir zuvor schon einige Male im Kreis gelaufen waren, denn nicht immer findet man alle Hinweise gleich auf Anhieb.

Also 2. Möglichkeit beim Schopf gegriffen und am anderen Seeufer zur Touristinfo, Telefonnummer des Campingplatzes erfragt, dort angerufen und Stellplatznummer erkundet. Rechnung korrekt durchgeführt, Gradzahl ermittelt, wieder ab in den Wald und erneut die Baumwurzeln freigelegt und abgetastet.
Immer noch kein Erfolg! Was nun? Aufgeben? Niemals!

Zum vorletzten Ausgangspunkt zurück, Peilung erneut vorgenommen, plötzlich zeigt der Kompaß in die entgegengesetzte Richtung. Mann oh Mann! Da sage noch mal jemand, Männer hätten den besseren Orientierungssinn. Nun ist es plötzlich eine ganz andere Tanne und von der aus läßt sich tatsächlich das Versteck finden. Besser gesagt: Hans-Hermann ist der glückliche Finder und macht damit seinen Patzer mit der Falschpeilung wieder gut.

Nachdem wir uns den Stempel geholt hatten, merkten wir erst, wie hungrig, durstig und wie lange wir schon unterwegs waren. Stolz wie die Könige ging es zurück zum Womo und dann auf direktem Wege nach Freiburg, wo wir einen wunderbaren Sonnenplatz auf dem dortigen grünen Stellplatz ergattern konnten.


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