Mittwoch, 18. April  2018
Wir sind gerade in Xi‘an / China

Alte Kaiserstadt Xi‘an

 

Ein strammes Besichtigungsprogramm erwartete uns heute. Daher stärkten wir uns zunächst am vielfältigen Frühstücksbuffet.

Die Chinesen sind große Nudelsuppen-Liebhaber und mögen auch sonst eine ganze Menge aufwendig zubereitete Speisen am frühen Morgen.

So wurden die gedämpften Kürbisse auf 71 Grad warm gehalten und die Nudeln ständig frisch von Hand hergestellt in einem Tempo, das nicht scharf aufs Foto zu bannen war.

 

Ein simples Käsebrötchen war natürlich nicht zu haben. Also mußte sich unser Magen gleich an ausgefallene asiatische Gewürze und unsere Zunge an undefinierbare Geschmacksexplosionen gewöhnen. 

 

Dann ging’s an die Arbeit. Bei einem optimalen Personalverhältnis von 2:2 konnten wir sehr viel über die chinesische Geschichte lernen. Wo hat man das sonst schon? Ein privater Fahrer und eine Stadtführerin kümmern sich nur um uns beide.

 

Als erster Programmpunkt wurde die berühmte Terrakotta Armee besichtigt. Man denkt immer, der Mensch der Neuzeit sei intelligent und nutze ausgefallene Techniken. Wenn man aber diese über 2000 Jahre alten Tonfiguren betrachtet, die ohne Computer und Maschinen gefertigt wurden, dann wird man plötzlich ganz bescheiden.

 

 

Schon 221 vor (!) Christus wurde eine mehr als 7000 Mann starke Streitkraft aus Ton gefertigt, um sie dem Kaiser als Totenwache mit ins Grab zu geben. Die Figuren sind bis zu zwei Meter groß und 200 kg schwer. Sie wurden einzeln gebrannt und in unterirdischen Korridoren aufgestellt.

 

 

Es finden sich nicht zwei Figuren, die in Haltung, Frisur, Uniform, Haaren, Bärten usw. einander gleichen. Da die Soldaten bei über 1000 Grad C gebrannt wurden, mußten sie perfekt angefertigt werden, denn sie schrumpfen dabei um 10% und dies mußte ganz gleichmäßig erfolgen, wenn sich keine Risse bilden sollten.

 

 

Erst 1974 wurde dieses Wunderwerk von Bauern entdeckt, die einen Brunnen graben wollten. Heute pilgern täglich Zehntausende von Menschen an diesen geschichtsträchtigen Ort. Wir trafen dort zufällig auch den Guide, der uns mit der Gruppe im Sommer sechs Wochen durch China begleiten wird. So gab es ein erstes nettes Kennenlernen.

 

Xi‘an hat aber auch noch ein anderes Bauwerk, das die Chinesen verehren und zwar die große Wildganspagode. Ebenfalls die Auftragsarbeit eines Kaisers. Das 64 Meter hohe, leicht nach links geneigte Bauwerk stammt aus dem Jahr 652 und ist den Menschen hier heilig.

 

 

Viele verneigten sich und murmelten Gebete, andere verbrannten Räucherstäbchen und eine große Gruppe Mönche hielt sogar eine religiöse Zeremonie ab.

 

Auch die große Stadtmauer sollten wir gezeigt bekommen.

Zur Wachablösung marschierten die Soldaten forsch an uns vorbei.

Vorher waren wir beim Betreten des Mauerkomplexes von neuzeitlichem Sicherheitspersonal durchleuchtet und abgetastet werden.

 

Die 12 m hohe Mauer aus der Ming-Dynastie umschließt die Altstadt. Wenn man auf ihrer Krone wandelt,

kann man ermessen, wie massiv das Bauwerk ist.

 

 

Überall stachen wir als Europäer aus der Menge. Langnase Hans-Hermann wurde mehrfach um ein Foto gebeten. Entweder drückten ihm Eltern einfach ihre Babys in den Arm, um diese mit dem „großen weißen Mann“ abzulichten oder Chinesen zückten ihre Handys und ließen sich diese Gelegenheit zum Selfie nicht entgehen.

Verrückte Welt.

 

 

Irgendwann dachten wir: Das können wir auch. Wir hatten zwar kein Kleinkind dabei aber unsere Luna ist ja auch ein fotogenes Maskottchen. Kaum zu erkennen aber wahr: Schnee-Eule Luna am Busen der jungen Chinesinnen.

Das ist doch ein Foto, oder?

 


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