Mittwoch, 20. Juni  2018
Wir sind gerade auf der Insel Olchon / Baikalsee

 

 

Keep the children busy!

 

Wer denkt, bei uns wäre jeder sich selbst überlassen in den unendlichen Weiten des Baikalsees, der irrt. Mit einer kleinen gemeinsamen Schifffahrt sollte der Tag beginnen. Um in die Bucht zu gelangen, in der die beiden Schiffe anlegen würden, war endlich etwas Bewegung nötig. Unsere Fahrzeuge sollten frei haben aber unsere Beine bekamen ein wenig Frühsport verpaßt.

 

 

Die große Truppe wurde in zwei Mannschaften geteilt und dann hieß es „Leinen los!“.

 

 

Der riesige Baikalsee war zwar spiegelglatt aber um etwas Beistand für die bevorstehende Boots-Tour wollten wir doch bitten. So legten wir auf der nächsten kleinen Insel sofort wieder an und wanderten auf den Gipfel des Eilands. Schöne Aussicht inklusive!

 

 

Dort oben ragte eine buddhistische Stupa in den Himmel. Dreimal im Uhrzeigersinn schweigend drum herum laufen sollte Glück bringen. Und wenn dieses Ritual von vielen Personen vollzogen wird, dann sollte unsere Ausfahrt einfach unter einem guten Stern stehen, da waren wir uns ganz sicher.

 

 

Man durfte allerdings keine konkreten Wünsche denken oder gar aussprechen (eigentlich logisch, wenn man schweigend gehen soll!), so konnte auch niemand den Wettergott persönlich ansprechen, daher war die Weiterfahrt von kalten Winden und bedecktem Himmel geprägt. Die Jacken wurden fest zugeknöpft und die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen.

 

 

Als wir uns der Insel Zamogoy näherten, drosselten die Kapitäne ihre Motoren und unsere Fotografen konnten auf Safari gehen. Was war bloß das Objekt der Begierde?

 

 

Auf beiden Schiffen wurden die Teleobjektive ausgefahren, doch auch mit bloßem Auge hatten die Schiffspassagiere ihre Freude.

 

 

Ins Blickfeld rückten nämlich die berühmten Baikalrobben, die zusammen mit den kanadischen Seal-Lake-Seehunden die einzigen Süßwasserrobben der Welt sind. Mit ihren dunklen Knopfaugen schauten sie uns mindestens ebenso interessiert an wie wir sie. Im Winter haben die Robben ein hartes Leben, denn der komplette See friert von Mitte Dezember bis Anfang Mai bis zu 1,50 m dick zu, so daß sogar LKWs zwischen der Insel Olchon und dem Festland auf einer Eispiste verkehren.

 

 

Jürgen gelang ein ganz besonderer Schnappschuß:

„Möwe mit Frühstück“.

Allein dafür hatte sich die Mitnahme des Teleobjektivs gelohnt.

 

Ziemlich durchgefroren stiegen wir nach der Boots-Tour alle von Bord und fragten uns, ob wir wohl als erstes einen Grog trinken sollten. Bei der Rückkehr zum Stellplatz kam uns aber eine noch viel bessere Idee. Es hatte sich nämlich ein weiteres Fahrzeug dicht am Ufer dazu gesellt.

 

 

Was war das bloß für ein seltsames Wohnmobil mit Fenster, Schornstein und Leiter? Wie sich heraus stellte, hatte Dima eine russische Banja geordert und anstatt eine kleine wackelige Hütte am Strand aufzubauen, hatte der treue Wanja einfach eine komplette Sauna mitsamt Vorraum und Holzofen auf einem LKW heran gefahren.

 

 

Welche Freude! Mit der wärmespendenden Banja kam auch die wärmende Sonne heraus und so stand einem entspannten Nachmittag nichts im Wege. Das Tauchwasser nach dem Saunagang war übrigens (amtlich vermessen!) jetzt im Hochsommer 10 Grad frisch. Wärmer wird der Baikalsee nie. In 50 Metern Tiefe hat er konstant das ganze Jahr über drei Grad. So tief tauchte aber niemand ein. Wir wateten bis zu einer kleinen Sandbank und ließen uns dann genüßlich fallen. Wenn man lange genug in einem 100 Grad heißen Schwitzraum zubringt, fühlen sich 10 Grad plötzlich gar nicht so wirklich kalt an. Wie man sieht, geht‘s uns teuflisch gut und alle lieben diese ruhigen Tage mitten in der sibirischen Natur.

 

 

Als ob das nicht schon Glücksmomente genug gewesen wären, setzte Jürgen am Abend noch einen drauf.

Ein runder Geburtstag im Kreise lieber Reisegefährten am Ufer des schier unendlichen Baikalsees - wenn das keine Kulisse ist!

Sascha überreichte ein Geschenk vom Team und noch lange wurden fröhliche Stimmen mit dem Wind hinaus aufs Wasser getragen.

Möge das gesamte neue Lebensjahr so gut werden wie der Start, lieber Jürgen


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