Samstag, 28. April  2018
Wir sind gerade in Peking

 

Huà Lóng Dian J─źng - Das Tüpfelchen auf dem i -

wörtlich: Dem Bild des Drachen Augen malen

 

Nun haben wir an unserem vorläufig letzten Tag in Peking dem Drachen noch Augen gemalt. Wir waren nämlich auf der berühmten Großen Mauer. Wir - das bedeutet nicht nur unser Stadtführer Wang Yong und die beiden PHOENIXE. Nein, außer uns waren noch ein paar andere Leute auf dieselbe Idee gekommen.

 

 

Und sogar unsere Luna hatte Ausflug und ließ sich auf einem der berühmtesten Bauwerke der Weltgeschichte nieder.

 

Bereits vor über 2000 Jahren sollen die ersten Abschnitte der Mauer gebaut worden sein, vielfach als Schutzwall gegen die von Norden angreifenden Mongolen. 

 

Immer wieder verfielen Teile davon, andere wurden hinzu gebaut. Heutzutage werden einzelne

Bereiche restauriert, um sie den Besuchern zugänglich zu machen. Die steilen unregelmäßigen Stufen waren durchaus eine Herausforderung. Aber zugleich ein unvergeßliches Erlebnis!

 

Zurück aus dem Altertum ging es über moderne verkehrsreiche Straßen zum Sommerpalast des Kaisers, also wieder hinein in die Geschichte. Der Kaiser wurde damals von seinem Amtssitz in der Verbotenen Stadt zum 30 Kilometer entfernten Sommerdomizil mit Sänften und Drachenbooten befördert. Wir benutzten die Stadtautobahn. Wobei uns eine weitere nette Redewendung der Chinesen in den Sinn kommt. Sie sind große Meister im bildhaften Umschreiben von Sachverhalten. 

„Che Shui Ma Lóng“ Auto, Wasser, Pferd, Drache.

Gemeint ist: Viele Fahrzeuge fließen wie Wasser in einem Fluß und viele Pferde hintereinander sehen aus wie ein großer Drache.

Also ganz logisch: „Lebhafter Verkehr“

 

 

Der 1750 geschaffene „Garten zur Pflege des Altersfriedens“ wird meist schlicht Sommerpalast genannt. Er umfaßt den Kunming-See und besonders herausragend den Tempel des Buddhaweihrauchs. Die gesamte Anlage ist heute ein Naherholungsgebiet für die Pekinger Millionenbevölkerung.

 

 

Besonders beeindruckend ist der 728 m lange aufs Feinste bemalte Wandelgang entlang des Sees, in dem der Kaiser früher beim Spaziergang vor Sonne und Regen geschützt war. Tatsächlich spüren auch wir darunter das angenehme Klima an diesem heißen Frühlingstag.

 

 

Am Ehrentor gelangt man zum See, wo man wie zu Kaisers Zeiten mit einem Drachenboot hinaus aufs Wasser fahren kann.

 

 

Das Mamorboot fährt nicht, sondern stellt einen Pavillion dar, der auf mehrere Arten täuscht:

Weder ist er ein Boot noch wurde er aus Mamor gefertigt, sondern aus Holz mit mamorartiger Bemalung.

Der Bau ist eine Anspielung an einen berühmten Rat, den man dem Kaiser schon im 7. Jahrhundert gab:

Das Wasser, das ein Schiff trägt, bringt es auch zum Kentern. Gemeint war das Staatsschiff.

Hier im Sommerpalast hatte der Kaiser nun ein unsinkbares Schiff und setzte damit ein Zeichen für alle, die an seiner Macht zweifeln mochten.

 

 

So neidvoll die Untertanen vielleicht den Prunk der Herrscher bestaunten, in der Realität war der Kaiser ein armer Kerl. Er durfte nie am normalen Leben teilnehmen, sondern residierte wie in einem goldenen Käfig. Das führte zu den skurrilsten Auswüchsen. In der weitläufigen Gartenanlage gab es eine nachgebaute Kulissenstadt am Kanal, die an Venedig erinnert. Hier konnten Kaiser und Kaiserin bummeln und einfaches Volk spielen. Eunuchen verkauften ihnen Imbisse und Spielzeug und gaukelten dem Herrscher für ein paar Minuten die Normalität des einfachen Bürgers vor.

 

 

Wir werden uns nicht mehr vorgaukeln lassen, wir seien Chinesen - auch wenn zum Frühstück wieder Stäbchen bereit liegen werden. Unsere Zeit hier im Land der Mitte ist fast abgelaufen. Morgen werden wir uns von Air China in zehn Stunden zurück nach Frankfurt bringen lassen mit unvergeßlichen Erinnerungen im Gepäck.

 

Zàijiàn und Tschüß!


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