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Samstag, 19. Oktober  2019
Wir sind gerade in Alice Springs

 

 

„The Alice“ und Umgebung: Mach es zu deinem Projekt!

 

Nun sind wir tatsächlich angekommen in der Mitte der Mitte. Alice Springs bildet den geografischen Mittelpunkt Australiens, das Herz des Outbacks. Die "Städte", die wir in den letzten Tagen passierten, waren meist nur der Zusammenschluß aus einer Tankstelle, einem kleinen "Motel" und einem Restaurant. Das war's - sonst nix.

 

Wir fragten uns oft, wie Menschen in dieser Einsamkeit leben können. Wenn wir nicht uns, sondern die Menschen fragten, die uns begegneten, reagierten sie verständnislos. Einsamkeit? Welche Einsamkeit? Es kommen reichlich Trucker vorbei und Polizisten, die den Stuart Highway patrouillieren und Farmer mit Erdklumpen an den Stiefeln und ab und zu ein paar Wohnmobil-Fahrer. Selbst einige junge Leute, die zum sogenannten "Work & Travel" für ein Jahr aus aller Herren Länder heutzutage nach Australien kommen, erzählten immer wieder begeistert, wie genial sie das staubige Outback finden.

 

Seit vorgestern sind wir in einer richtigen Stadt mit mehr als drei Häusern, den ersten Verkehrsampeln seit über 1000 Kilometern und einer richtigen Fußgängerzone. Klar, daß wir uns heute erst einmal Zeit nahmen für einen Bummel. Alice Springs ist nicht nur das geografische Zentrum, sondern auch das Kunstzentrum der Aborigines schlechthin. Überall laden Gallerien und Läden zum Stöbern ein. Auch einen sehenswerten Museumskomplex hatten wir den Tour-Teilnehmern als lohnenswertes Ziel für den "Ruhetag" ans Herz gelegt.

 

 

Wer verstehen will, warum die Stadt genau hier gebaut wurde, der hatte gestern bei der Stadtführung genau aufpassen müssen. Von oben konnte man tatsächlich sehr deutlich erkennen, warum dieser Ort günstig schien für eine Stadtgründung. In der Ferne sieht man nämlich, daß hier die MacDonnell Ranges, also die umliegende Bergkette, einen Durchbruch hat, durch den der Todd River fließt. Die Stadtgründer bauten durch dieselbe Engstelle auch eine Straße und eine Eisenbahnlinie hindurch.

 

 

Genau diese MacDonnell Ranges zogen unsere Tour-Teilnehmer heute magisch an. Jeder konnte an diesem „freien Tag“ so weit hinein fahren, wie er wollte und die landschaftlich besonders reizvollen Abstecher erwandern. Die geteerte Straße, die gut zu befahren nach Westen führte, ließ unsere modernen Entdecker immer weiter in die faszinierende Bergwelt um "The Alice" herum eintauchen.

 

 

Bald schon kam man am Grab von John Flynn vorbei, dem Gründer der Flying Doctors, der uns bereits mehrmals begegnet war. Der runde Felsen hat eine besondere Geschichte, denn ursprünglich hatte man kurz nach seinem Tod 1952 eine 8 Tonnen schwere Felskugel von den etwa 1000 Devils Marbles (wir waren kürzlich erst dort) ausgewählt und als Abdeckung auf sein Grab gelegt. Dies geschah ohne Zustimmung der Aborigines, die diese Kugeln als heilig empfinden und Jahrzehnte um die Rückgabe des Steins kämpften. 

 

 

Nachdem die Felskugel tatsächlich 1999 den Warumungu-Aborigines, die als Hüter dieser heiligen Stelle anerkannt sind, zurückgegeben wurde, spendete ein anderer Aborigines-Stamm eine ihrer heiligen Kugeln aus Respekt vor dem Wirken von John Flynn, der mit seinen Flying Doctors schließlich das Leben aller Einwohner des Outbacks verbessert hatte. Man fragt sich an dieser Stelle, was passiert wäre, wenn man von Anfang an um eine Erlaubnis gebeten hätte......

 

Etwas weiter entlang des Namatjira Drives ergab sich die Möglichkeit für eine bezaubernde Wanderung:

Simpsons Gap!

 

 

 

Wer sich in diese wüstenartige Landschaft begibt, kann nicht nur über die Natur, sondern auch über die Tierwelt staunen.

 

 

Bizarre tiefrote Quarzitwände wirken wie ausgesägt. Auch diese außergewöhnliche Landschaft spielt in der Schöpfungsgeschichte der Aborigines eine besondere Rolle.

Ebenso wie die steil aufragenden Felswände des Standley Chasm, dem Namen nach ein Abgrund, und für die Ureinwohner der Ort, an dem ihre Vorfahren gelebt haben. Nur genau zur Mittagszeit fällt überhaupt Sonne auf den Boden zwischen den auf wenige Meter sich verengenden Felswände.

 

   

 

Silvia & Andy stellten sich der Herausforderung, auf einem steilen Wanderweg das Plateau in der Höhe zu erklimmen.
 
 
Belohnt wurden sie mit einer grandiosen Aussicht und dem Gefühl, Australien immer besser erfassen zu können.
 

 

Und dem Triumph, den Berg in Hitze, Durst und Erschöpfung bezwungen zu haben. 
Yeah! Wir schaffen das - wir haben‘s geschafft!
 
 
Franz & Theresia fuhren die gut 130 Kilometer lange Teerstraße bis zum Ende und wurden mit einem traumhaften Blick auf den See in der Glen Helen Schlucht belohnt. Der kleine See in dieser Schlucht wird von den Ureinwohnern als Heimat der Riesenwasserschlange Yurlunggu angesehen. Aus den Tiefen des Sees sollen einst die Schöpfungswesen hervorgegangen sein, die der Erde ihre Gestalt gegeben haben.
 
 
Heute lag der See jedenfalls ganz ruhig den beiden zu Füßen und keine Schlange störte das Vergnügen, wieder einmal einen besonderen Flecken auf diesem großen Kontinent erreicht zu haben. Die einzigen Störenfriede waren wie so oft die unzähligen aufdringlichen Fliegen, gegen die sich Theresia aber gewappnet hatte.
 
   

 

Wer nicht ganz so weit fahren und doch einen neuen Aspekt Australiens kennen lernen wollte, der verbrachte einfach ein paar Stunden im Desert Park, wo das sehr seltene große rote Känguru, auch Riesenkänguru genannt, freundlich grüßte.
 
 
Wie ein Unterstrich unter unserem Bericht wirkt ein anderes Wüstentier aus diesem Park. Wo ist eigentlich vorne und wo hinten bei diesem Bobtail Skink?

 

  Freitag, 18. Oktober  2019  

Auch Wolkenkratzer haben mal als Keller angefangen......

......und große Ideen brauchten Idealisten, um sie mit Leben zu füllen. Wir hatten heute einen „Bildungstag“. Mitten im Zentrum des harschen Outbacks Australiens werden mehrere lebensnotwendige Institutionen koordiniert - und alle waren es wert, näher betrachtet zu werden. 

Nur zehn Jahre nachdem der Entdecker und Landvermesser Stuart einen durchgehenden Landweg von Adelaide im Süden nach Darwin im Norden gefunden hatte, baute man entlang dieser Route eine Telegrafenleitung mitten durch das heiße, lebensfeindliche Nichts der australischen Mitte. 1872 war sie vollendet, brauchte aber wegen der schlechten Leitfähigkeit des ursprünglich genutzten Eisendrahts regelmäßig platzierte Relais-Stationen. Eine davon war der Grund für die Entstehung von Alice Springs.

Bis zur Inbetriebnahme der Telegrafenleitung am 22. August 1872 hatte die Nachrichtenübermittlung ins Mutterland Großbritannien teilweise Wochen oder Monate mit Schiffspost gebraucht. Jetzt aber mithilfe des Überseekabels aus Java und 36.000 hölzernen Telegrafenmasten wurde die Welt plötzlich kleiner. Ein besonderes Gefühl für uns alle, an einem historisch so wichtigen Ort zu stehen.

 

Gemeinsam mit unserem sachkundigen Guide Marcel besuchten wir als nächstes dieZentrale des „Royal Flying Doctor Service“.

Marcel zeigte uns auf einem alle paar Sekunden aktualisierten Monitor die Rettungsflugzeuge, die gerade im Einsatz sind. Man kann nur mit Mühe ermessen, wie so ein riesiges karges Land medizinisch effektiv versorgt wird.

Um diesen Service ins Leben zu rufen, brauchte John Flynn nicht nur Idealismus, Flugzeuge, Ärzte und Krankenschwestern, sondern auch ein leicht bedienbares und vom Stromnetz unabhängiges Funksystem. Alfred Traeger entwickelte ein Pedalsystem, mit dem man auch von entlegenen Gegenden einen Hilferuf absetzen konnte. Auf allen Farmen gibt es heutzutage Landebahnen aus gestampfter Erde und einen Notfallkoffer mit nummerierten Medikamenten.

Auch das weltweit größte Klassenzimmer war zunächst von Funkverbindungen abhängig. Seit Juni 1951 wurden bereits mehrere Generationen der völlig isoliert lebenden Kinder im Fernunterricht ausgebildet.

 

Heute läuft die schulische Betreuung meist übers Internet. Wir durften an der Live-Produktion einer Unterrichtsstunde teilnehmen.

Die Lehrerin tanzte und sang für die an den Monitoren im Outback sitzenden Kinder. Damit wird eine Fläche abgedeckt, die etwa 3 1/2 mal so groß ist wie Deutschland. Die zugeschalteten Schüler können direkt mit der Lehrkraft kommunizieren. Echt spannend!

Vom ANZAC-Hügel ließen wir uns die Lage der Stadt am Fuße der MacDonnell Ranges erklären. All das bringt uns die Lebensweise unseres Gastlandes näher. Obwohl es verdammt schwer ist, sich vorzustellen, ein Leben unter diesen ganz besonders harten Bedingungen zu führen.

Als Bonbon hatten wir für den Abend Andrew eingeladen, einen der wenigen weißen Didgeridoo-Spieler. Er hatte ursprünglich in Sydney gelebt und war für einen harten Job ins Zentrum Australiens gekommen, wo er von den Ureinwohnern im Outback die Kunst, dieses besondere Instrument spielen zu können, gelernt hat. Unfaßbar, was für Töne er diesen ausgehöhlten Eukalyptus-Stämmen entlockte. Jedes seiner Lieder erzählte zudem eine Geschichte und zog uns in seinen Bann.

Besondere Hochachtung bekamen wir vor seiner musikalischen Leistung, als einige von uns versuchten, es ihm gleich zu tun. Die Klänge, die den Raum erfüllten, erinnerten eher an einen Elefanten mit Zahnschmerzen, der sich gleichzeitig seinen Rüssel eingeklemmt hat.

                              

  Donnerstag, 17. Oktober  2019  

Im Zentrum

Wir sind so ziemlich am Mittelpunkt Australiens angekommen. Zeitmäßig noch nicht ganz in der Mitte der Reise. Dafür liegt im Süden und an der Ostküste noch zu viel Spannendes vor uns, was es zu entdecken gilt. Aber geographisch sind wir jetzt bis ins Rote Zentrum vorgedrungen, bis nach Alice Springs. Die mit knapp 30.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Northern Territorys ist von überall etwa gleich weit weg. Und weit bedeutet in Australien SEHR WEIT. Sowohl nach Perth, wo wir herkommen, als auch nach Sydney, wo wir bald hinwollen, sind es 2000 Kilometer Luftlinie. Da es so wenige Straßen gibt, kommen noch einmal 1000 Kilometer drauf, wenn man tatsächlich dorthin fahren will. Auch Cairns, wo wir für Mitte Dezember das Ende dieser Traumreise geplant haben, erreicht man auf direktem Weg nur, wenn man 2300 Kilometer unter die Räder nimmt - ungeteerte Pisten inklusive.
 
Doch wer will schon den direkten Weg nehmen? Australien ist viel zu aufregend und vielfältig - da bauen wir noch viele Umwege ein. Am heute recht bewölkten Himmel wehen die Flaggen Australiens mit dem Union Jack, die des Northern Territorys mit der Wüstenrose auf rotem Sand, die der Aborigines mit der Leben spendenden Sonne über rotem Land und den dunkelhäutigen Ureinwohnern und außerdem noch die Flagge des Stamms der Anmatjere.

Diese Anmatjere leben seit Urzeiten hier im heißen lebensfeindlichen Zentrums Australiens. Am Roadhouse von Aileron hat man ihnen ein 17 m hohes Denkmal gesetzt.

 

Die Roadhäuser stehen in weiten Abständen in der Nähe des Stuart Highways und bilden die Lebensader für uns Reisende. Ohne die Diesel-Zapfsäulen, die manchmal auch etwas abenteuerlich aussehen, würden wir im Outback versanden.

Die ursprünglichen Besitzer dieses Landes schauen uns oft verblüfft an. Wahrscheinlich sind sie in ihrem ganzen Leben noch nicht weit weg gekommen von ihrem Geburtsort. Und dann kommen reihenweise moderne Wohnmobile vorbei mit hellhäutigen Europäern von ganz weit weg, die ihr Land kennen lernen wollen.
 
 
Wir wissen nicht, wie wir den Straßenverkehr bewältigen sollen, wenn irgendwann wieder einmal Kurven eingestreut werden. Seit vielen, vielen Tagen fahren wir nun geradeaus und eine Strecke von 400 Kilometern hat absolut ihren "Schrecken" verloren, denn fast ohne jeden Verkehr kann man die Landschaft genießen. 
Und die Weite ermessen!
 
 
Auf dieser Fahretappe kommen wir wieder am Wendekreis des Steinbocks vorbei. Dieser Breitengrad geht ebenfalls durch Südafrika, Botswana, Namibia, Chile, Argentinien und Brasilien. Hier haben wir nun also die Tropen verlassen und theoretisch sollte an dieser Stelle das schwülheißen Wetter in trockene Hitze übergehen. 
 
Tatsächlich empfängt uns Alice Springs mit 26°C, was uns schon ganz schön kühl vorkommt. Das liegt wohl an den Wolken, die die Sonne etwas abschirmen. Ab morgen hat sie wieder freie Bahn!
 

  Mittwoch, 16. Oktober  2019  

Wo der Teufel mit Murmeln spielt

Wieder hatten wir eine ausgesprochen geradlinige Etappe durchs menschenleere Outback. Einmal stand am Straßenrand das Denkmal für John Flynn, den Gründer der Flying Doctors. Dies brachte gewaltige Abwechslung in den Tagesverlauf......Cord und Ilona ließen es sich nicht nehmen, dort ein Päuschen einzulegen.
 
 

Der einzige andere Hingucker sind nach wie vor die riesigen Road Trains, die zum Teil mit vier Tankwagen unterwegs sind. Und man glaubt es kaum aber auch die müssen - genau wie wir - hin und wieder an der Tankstelle ihren Dieselvorrat auffüllen.

Das Highlight des Tages war der Besuch der Devils Marbles, von den Aborigines Karlu Karlu genannt.
 
 
Diese durch Verwitterung, also Erosion, entstandenen etwa 1000 runden Granitfelsen sehen in der Tat so aus, als habe der Teufel hier einen Sack Murmeln ausgekippt.
 
 
An keinem anderen Platz der Welt findet man so viele rund-verwitterte Felsen wie hier.
 
 
Zum Größenvergleich zeigen wir Euch - nicht wie der Teufel mit Murmeln spielt - sondern wie unsere Jungs zum Herkules werden.
 

Nach diesem Eintauchen in den heiligen Ort der Aborigines, die daran glauben, daß die "Murmeln" die Eier der Regenbogenschlange sind, die für die Schöpfung zuständig war, begaben wir uns nach Wauchope, wo die meisten in unserer idyllischen Übernachtungsoase zur Abkühlung in den kleinen aber feinen Pool eintauchten. Kein Wunder, denn es war wieder sehr heiß und die Sonne scheint hier in den Tropen satte 12 Stunden.

 

Dann kam das zweite Highlight des Tages! Bei so einer tollen unkomplizierten und harmonischen Gruppe spendierte die Reiseleitung spontan ein Draußen-Pils, ein sogenanntes Pool-Bier. Und damit kam in dem schlumpfblauen Wasser eine kühlfrische Brise auf.

Und dann kam das dritte Highlight des Tages! Wir hatten hier in Wauchope nämlich ein Gruppenessen ausgesucht, denn mitten in der Tanami Wüste, in der wir uns gerade befinden, hat das Restaurant dieses Außenpostens in der Wildnis seit zwei Jahren eine goldene Auszeichnung bekommen. Die Steaks waren vom Feinsten und auch sonst zauberte der asiatische Chefkoch eine Melodie auf die Teller. Alle waren begeistert von unserem rustikalen Dinner auf Tischen aus Eisenbahnschwellen.
 
 
Wie man sieht, lassen wir es uns gut gehen auf der großen DownUnder-Tour, auf der wir morgen allerdings die Tropen wieder verlassen werden.

  Dienstag, 15. Oktober  2019  

Schon mal was von Banka Banka gehört?

So heißt unser heutiges Ziel - eine ehemalige Station auf dem langen Weg der Rinderzüchter, wenn sie ihre Tiere über schier endlose Distanzen trieben und unterwegs eine Tränke finden mußten. Wir müssen hauptsächlich Tankstellen finden, um unsere rollenden Ferienwohnungen in Bewegung zu halten.

Der Morgen war frisch und ruhig und alle ließen es wieder einmal langsam angehen auf unserem schattigen Platz in Mataranka. Wer wollte, konnte ein letztes Mal baden gehen in den wunderschön gelegenen Thermalpools.



Kaum auf der Strecke, lud allerdings schon der historische Pub von Daly Waters zu einem  Zwischenstop ein. Seit 1930 steht hier die einsamste Ampel des Kontinents. Die berühmte Kneipe hat schon vielen Reisenden den Staub aus der Kehle gespült. Man sagt: „Wenn Du nicht in Daly Waters warst, warst Du nicht in Australien.“



Drinnen an der Bar haben sich viele Frauen ihres BHs entledigt und sie als Deko zurück gelassen. Angelika fragt sich, ob sie auch ein Erinnerungsstück opfern soll.



Sogar Kraftstoff gibt es und den Hinweis auf den nächsten Mc Donalds in 286 Kilometern. Für Australier eine Kurzstrecke. Da fährt man mal eben zum Abendessen auf einen Hamburger hin. Wir sind mitten im Land der riesigen Entfernungen von A nach B - und zwischendrin ist einfach: NICHTS. NOTHING. NIENTE.

Gleich um die Ecke hatte der Entdecker John Stuart, nach dem dieser wunderbare Highway benannt ist, Wasser gefunden auf seinem Weg von der Südküste nach Darwin.  Am 23. Mai 1862 soll er in diesen Baum ein „S“ für Stuart geritzt haben als Zeichen, daß er hier war. Wir suchten diese historische Stätte natürlich auf und ließen sie auf uns wirken.



Viel Verkehr herrscht wirklich nicht auf der einzigen geteerten Straße, die das Outback von Nord nach Süd durchschneidet. Aber wenn wir ein Fahrzeug vor uns haben, dann ist es meist ein Roadtrain - ein überlanger Lastwagen mit bis zu fünf (!) Anhängern. Auf den langen Geraden sind auch diese Giganten schnell überholt.



Das einzige, was zu beachten ist, ist die geringe Tankstellendichte. Wir fahren von Tankstelle zu Tankstelle. Sobald eine Zapfsäule in Sichtweite kommt, machen wir die Tanks wieder voll. Es dauert oft mehr als 150 Kilometer, bis wieder eine Service-Station am Horizont erscheint. Und dann kann es passieren, daß gerade der Diesel ausgegangen oder der Strom ausgefallen ist. Selbst wenn Diesel reichlich vorhanden ist, brauchen die Pumpen Elektrizität, um ihn fließen zu lassen. Alles schon da gewesen! Alles schon erlebt! Und was dann passiert, das kann man sich ausmalen......

Wir übernachten heute ohne Strom, ohne Internet, ohne Restaurant, ohne Pool, ohne Klimaanlage.....auf einer ehemaligen Rinderumschlag-Station. Am Abend sind alle draußen beisammen und sehen den Vollmond blutrot aufgehen. Ohne Strom ergibt sich eine ganz eigenen Dynamik. Weniger haben - mehr sein!

  Montag, 14. Oktober  2019  
 
 
Schwimmgelegenheiten im Northern Territory
 
Die Natur ist hier im Norden Australiens sehr viel präsenter als wir es von Europa kennen. Abends schlafen wir mit dem Geräusch unzähliger Grillen ein und morgens werden wir beim ersten Tageslicht von exotischen Vogelstimmen geweckt. Wir laufen im Dunkeln mit Taschenlampen, um zu kontrollieren, wohin wir unsere Füße setzen. Und wir betrachten die Wände und Decken in den Sanitärgebäuden, um beim Duschen nicht etwa in das Territorium eines Geckos einzudringen. Auch unter die Toilettenbrillen sollte man gern einen schnellen Blick werfen, bevor man sie bestimmungsgemäß nutzt.

Claudia schickte Fotos in die WhatsApp-Gruppe mit der Unterschrift: Stiller Beobachter auf der Damentoilette.

 

Ein nicht gerade kleiner grasgrüner Frosch hatte es sich dort gemütlich gemacht und erschien auch nach Betätigung der Klospülung fröhlich wieder. Guter Schwimmer!
Im ersten Schreck fragten wir uns natürlich, ob es sich wohl um den bekannten südamerikanischen Pfeilgift-Frosch handeln könnte. Schließlich sollen ja fast alle Tiere in Australien giftig sein. Eine schnelle Nachfrage bei Wikipedia ergab, daß es offenbar ein ganz harmloser australischer Korallenfinger-Laubfrosch war. 
 
Vom hellgrünen Laubfrosch zum dunkelgrünen Krokodil ist es in Australien nur ein kleiner Schritt. Warnschilder sieht man immer und überall. Krokodile allerdings eher nicht. An den Edith Falls, einem kleinen Wasserfall mit traumhaft gelegenem See, kann man das leicht erklären. Es handelt sich zwar um eine Region, in der Krokodile bekanntermaßen zuhause sind aber tagsüber eigentlich nicht stören. Ein Schild weist ausdrücklich darauf hin, daß von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens die Süßwasserkrokos in dem tollen See auf die Jagd gehen.
 

Ab 7 Uhr morgens soll das Gewässer dann ungefährlich sein.

Wir fragen uns natürlich, ob die Uhr der Krokos auch wasserdicht ist, damit sie die Uhrzeit nicht verpassen, zu der sie sich bis zum Abend ins Gebüsch zurückziehen sollen. Etwas Nervenkitzel ist schon dabei - aber bei der nun langsam trockener werdenden Hitze lockt so ein frisches Wässerchen natürlich ungemein.

Weiter südlich gelangten wir ins Städtchen Mataranka.

Es ist die heimliche Hauptstadt des Never Neverlands - des nördlichen Outbacks. 

Für uns ist es ein wunderbarer Zwischenstopp auf dem schier endlosen Stuart Highway.

Wir übernachten nur ein paar Schritte neben einem kleinen Wunderland. Mitten in dichtem Palmenwald findet man den Mataranka Thermalpool.

Auch hier wurde zwar davor gewarnt, daß Frischwasserkrokodile - liebevoll Freshies genannt - in dieser Gegend wohnen.....aber inzwischen sind wir alle so australisiert, daß wir das fast normal finden. Jedenfalls hielt diese Warnung niemanden in der Gruppe davon ab, einen Spaziergang zu den Thermalquellen zu unternehmen, die sich märchenhaft plötzlich vor uns ausbreiteten.

 

 

Ein Bad im 34 ° C warmen Wasser war für alle ein Genuß. Die glasklare heiße Quelle speist täglich 30 Millionen Liter Thermalwasser in den Naturpool ein. Hier dürfen auch Reiseleiter nach getaner Arbeit relaxen. 

 

Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.

(John Steinbeck)

  Sonntag, 13. Oktober  2019  

Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft

Diese bekannten Worte des Langstreckenläufers Emil Zátopek können wir heute erweitern mit „Ameise baut“ und „Mensch läßt sich von Sonne rollen“. Man sieht: Es war wieder einmal ein abwechslungsreicher Tag. 

Auf unserem langen Weg nach Süden wollten wir den Litchfield Nationlpark natürlich nicht auslassen. Er ist besonders berühmt für seine großen Termitenhügel. Unfaßbar, daß ein Tier mit einer Körpergröße von etwa 5mm ein 5 Meter hohes steinhartes Gebilde erbauen kann.

 

Ganz besonders beeindruckend ist das Werk der magnetischen Ameisen, die alle ihre Termitenhügel strikt in Nord-Süd-Richtung arrangiert haben. Da sie blind sind, können sie sich nicht am Stand der Sonne orientieren. Wissenschaftler vermuten, daß sie einen eigenen Magneten im Körper tragen.

Unser nächster Stopp waren die Florence Falls, ein imposanter Doppelwasserfall, 

bei dem sogar gebadet werden kann.

Über einen steilen Treppenabstieg gelangt man ans Ufer des „Plunge Pools“, wo einige Schwimmer ein erfrischendes Bad nahmen.

Ein Stückchen weiter haben Wind und Wetter in Kombination mit dem stetig fließenden Wasser durch Erosionen weitere Badestellen in einer Kaskade erschaffen. Kleine Nackenmassage gefällig?

Wie überall in Australien erinnern Warnschilder an die Gefahr durch lauernde Krokodile. Die klaren natürlich geformten Felsenpools, in denen wir Angelika und Gebhard trafen, sollen aber krokodilfrei sein.....

 

Ganz anders dagegen an der nächsten Badestelle. Bernard und Maryse waren bis zu den Wangi Falls gefahren. Im Moment herrscht noch Trockenzeit. 

Da sollen lediglich ein paar Süßwasserkrokodile die Gewässer nach Futter durchstreifen. Menschen gehören nicht auf ihren Speisezettel. 

Nach der Regenzeit, wenn das ganze Land überschwemmt ist, verirrt sich jedoch das eine oder andere Salti in diese Gegend.

Im Ziel hatten wir zudem noch einen Pool, um gefahrlos die Körpertemperatur zu regeln. Der Campingplatz-Chef präsentierte ein zusätzliches Bonbon in den frühen Abendstunden. So versammelten wir uns zum Meeting an einem besonderen Ort. Ja, wo schauen sie denn alle hin?

Jim stellte Teller mit flüßigem Lori-Futter auf und es dauerte nicht lange,

da flogen hunderte dieser bunten Gesellen herbei.

Bunte Gesellen hatten Claudia und Albert am Vortag auch in Darwin getroffen. Hier startete heute die 15. Ausgabe der „World Solar Challenge“ und vorher präsentierten sich diese futuristischen Solarmobile natürlich der Öffentlichkeit. Hier die Modelle von Australien und Schweden.

Heute Morgen um 8 Uhr machten sich die Pioniere der Sonnenenergie auf den 3000 Kilometer langen Weg zum Ziel in Adelaide. Sie fahren denselben Stuart Highway hinunter, auf dem auch wir Kilometer schrubben werden. Mit dem Wohnmobilen ist es allerdings ein ungleicher Wettkampf. Solar gegen Diesel! Da gewinnt die Sonne!

Auf den nächsten Etappen werden auch wir uns die Straße mit den gewaltigen Road-Trains teilen müssen. Hier und heute schien es wie ein Kampf: David gegen Goliath. Geschichte wiederholt sich. Auch auf dem Highway gewinnt David, der kleine australische Solarflitzer.

Ein deutsches Fahrzeug ist ebenfalls im Wettbewerb. Dem Team „Covestro Sonnenwagen Aachen“ wünschen wir an dieser Stelle viel Glück.

                    

 

 

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